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08.08.2018

Dr. Manfred Berger über die Sortimentsvielfalt im Supermarkt, die Herausforderungen der Digitalisierung und worauf man bei einer „echten“ Innovation aufpassen muss.

Die Bequemlichkeit des Klicks

Dr. Manfred F. Berger, NEUSICHT Think Tank

Dr. Manfred F. Berger, NEUSICHT Think Tank

Die Sortimentsvielfalt im Supermarkt ist enorm. Warum will der Konsument laufend etwas Neues ausprobieren?
Auf die Beschleunigung in allen Bereichen unseres Lebens reagieren viele Unternehmen mit einer Standard-Antwort: NEU! Wir haben aus dem Bereich der Mobiltelefone, der Tablets, der Notebooks gelernt, dass die NEUEN Produkte immer kleiner, leistungsfähiger, schneller werden. Damit setzt dieser Bereich alle anderen Anbieter indirekt unter Druck.

Inwieweit kann die Produktvielfalt die Menschen auch überfordern?
Nachdem wir laufend gefordert sind, mit der sich beschleunigenden technologischen Entwicklung Schritt zu halten, sehnen sich immer mehr
Menschen nach Nähe und Einfachheit. Die Suche nach regionalen, nachhaltigen Produkten, der Trend zu „slow food“ zeigen unsere Sehnsucht,
unser Leben in anderen Bereichen einfacher und langsamer zu gestalten.  Dieser Sehnsucht stehen die vielen neuen Produkte, die uns laufend im
Supermarkt präsentiert werden, diametral gegenüber. So gesehen ist das Angebot von immer neuen Produkten aus dem heutigen Zeitgeist heraus betrachtet auch eine Gefahr, denn diese fördern nicht unsere Sehnsucht nach einer Reduktion der Komplexität. Sie erhöhen im Gegenteil den Druck auf uns und reduzieren das Vergnügen eines Supermarkt-Besuches.

Worauf muss man daher bei der Entwicklung von Innovationen besonders achten?
Eine Innovation liegt immer dann vor, wenn es einem neuen Produkt gelingt, unser Leben einfacher, bequemer, schneller, unterhaltsamer, genussvoller, günstiger zu gestalten. Dann hat die Markierung NEU ihre Berechtigung und die angebotene Innovation stärkt die Marke, indem wir Konsumenten klar erkennen können, dass das Produkt, die Marke uns einen neuen, interessanten Zusatznutzen bietet, für den wir bereit sind, auch einen entsprechenden Preis zu bezahlen.

Digitalisierung ist das Trend-Wort der Stunde. Werden wir alle irgendwann
nur mehr mit unseren Smartphones online einkaufen gehen?

Amazon & Co. mit ihrer einfachen, klar auf uns zugeschnittenen Ansprache haben den stationären Handel unter Druck gesetzt. Eine Reihe von Produkten und Services – wie Bücher, Parfüms oder Konzertkarten – gehören zu jenen Produkten, die wir uns einfach digital zustellen lassen können. Bei allen anderen Produkten gibt es zwar die Convenience des „Clicks“, aber das Haptische, der Genuss beim Probieren, Riechen oder Sehen, den kann auch die virtuelle Realität nur sehr eingeschränkt bieten.