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25.10.2018

Winzige Kunststoffpartikel, große Diskussion

Warum ist Mikroplastik ein Problem – und wie kann man es lösen?

Das öffentliche Bewusstsein für die Verschmutzung der Meere nimmt stetig zu. Obwohl dieses steigende Interesse grundsätzlich positiv ist, kann es auch oftmals zu Verwirrung führen – gerade im Hinblick auf einzelne Begrifflichkeiten. Das Wort Mikroplastik ist ein gutes Beispiel dafür: Was genau ist eigentlich Mikroplastik? Ist es das Gleiche wie Plastik?

Als Mikroplastik wird im Wesentlichen jede Art von winzigen, festen Kunststoffpartikeln bezeichnet, die als Abfall in Ozeanen und anderen Gewässern vorkommen. Verursacher sind oftmals größere Kunststoffteile, die im Laufe der Zeit in kleine Stücke zerfallen (sekundäres Mikroplastik). Diese lösen sich nicht im Wasser auf, sodass sich die Menge dieser Stoffe in unseren Ozeanen mit der Zeit aufbauen kann.

Die öffentliche Diskussion über Mikroplastik umfasst oft sogenannte „Microbeads“ – feste Peeling-Plastikpartikel mit einer Größe von fünf Millimetern oder kleiner, die in einigen abzuspülenden Gesichtspeelings- und Körperpflegeprodukten eingesetzt werden. Schätzungen zufolge ist die Kosmetikindustrie jedoch nur für 2 Prozent der Verschmutzung durch solche Mikroplastikpartikel (sogenanntes primäres Mikroplastik) verantwortlich – und diese Zahl nimmt weiter ab.

Mikroplastik in den Weltmeeren

Die Grafik zeigt die Quellen primären Mikroplastiks und basiert auf einer Studie der International Union for Conservation of Nature (IUCN). Nicht berücksichtigt ist sekundäres Mikroplastik durch Kunststoffabfall in den Meeren, der im Laufe der Zeit in kleine Stücke zerfällt.

Obwohl Kosmetikprodukte nur einen geringen Beitrag zu einer möglichen Umweltbelastung darstellen, werden alle Kosmetikprodukte, die Henkel weltweit auf den Markt bringt, ohne derartige feste Peeling-Plastikpartikel hergestellt. Wir haben sehr früh Experten aus allen Bereichen unseres Unternehmens zusammengeführt, um dieses Thema zu diskutieren, über Alternativen zu sprechen und Kosmetikprodukte, die noch „Microbeads“ enthalten, nach und nach einzustellen. Einer dieser Experten ist Dr. Andrea Sättler, die ein Produktentwicklungsteam innerhalb des Unternehmensbereichs Beauty Care leitet. In einem Interview teilt sie ihre Erkenntnisse und Erfahrungen:

Wann hat Henkel „Microbeads“ als potenzielles Problem identifiziert?

Wir sind bereits 2012 auf dieses Thema aufmerksam geworden. Damals war die Thematik in den Medien noch nicht wirklich präsent und nur eine Handvoll Nichtregierungsorganisationen hat sich darum bemüht, mehr Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Wir erkannten sehr schnell, dass wir eine Lösung finden mussten, denn wir verwendeten damals „Microbeads“ in einigen unseren abzuspülenden Kosmetikprodukten. Nachhaltigkeit war schon immer einer unserer wichtigsten Werte bei Henkel – deshalb wollten wir keine Zeit verschwenden, um eine Lösung zu finden.

Wie ist Henkel vorgegangen?

Wir haben Kollegen aus verschiedenen Abteilungen zusammengebracht, um zunächst herauszufinden, wie sich diese Herausforderung auf unsere Produktpalette auswirkt, und um sicherzustellen, dass wir umgehend darauf reagieren. Gemeinsam sind wir direkt in die Arbeit eingestiegen und haben uns frühzeitig entschieden, wenn immer möglich alternative Inhaltsstoffe wie Quarzsand einzusetzen. Wir haben auch komplett aufgehört, feste Peeling-Plastikpartikel in unseren kosmetischen Formulierungen zu verwenden. Dieses Thema hatte für uns sehr hohe Priorität und wir haben entsprechend schnell und konsequent gehandelt.

Was haben Sie erreicht?

Mit unseren Bemühungen haben wir bereits viel erreicht. Seit 2014 enthalten unsere in Europa neu eingeführten Kosmetikprodukte keine „Microbeads“ mehr. Und seit Anfang 2016 sind alle unsere neuen Kosmetikprodukte weltweit ohne derartige Mikroplastikpartikel formuliert. Ich denke, wir können stolz darauf sein, denn unsere Entscheidung ist der Empfehlung von Cosmetics Europe vom Oktober 2015 weit vorausgegangen, wonach solche festen Peeling-Plastikpartikel in abzuspülenden Kosmetikprodukten bis 2020 nicht mehr eingesetzt werden sollen. Inzwischen hat die Kosmetikindustrie in Europa den Anteil der „Microbeads“ in ihren Produkten zwischen 2012 und 2017 um 97 Prozent reduziert.

Neben den „Microbeads“ sind auch andere Arten von Polymeren Teil der Debatte um Mikroplastik. Was halten Sie davon?

Leider gibt es derzeit keine internationale Standarddefinition für Mikroplastik. Das schafft Unsicherheit – und führt zu Missverständnissen bei Verbrauchern, Kunden und anderen Interessengruppen. Es ist wichtig zu beachten, dass zwischen „Microbeads“ und wasserlöslichen Polymeren klar unterschieden werden muss, da sie völlig unterschiedliche physikalisch-chemische Eigenschaften haben. Diese Inhaltsstoffe erfüllen wichtige Funktionen. So könnten beispielsweise bei Stylingprodukten die wesentlichen Produkteigenschaften ohne spezielle Stylingpolymere nicht erreicht werden. Andere Polymere wirken sich positiv auf die Anwendungseigenschaften aus, indem sie die pflegenden Öle stabilisieren oder dazu beitragen, dass das Produkt beim Auftragen besser fließen kann.

Was sind die nächsten Schritte?

Wir sind auf einem guten Weg und arbeiten gleichzeitig weiter an Verbesserungen unserer Formeln und der von uns verwendeten kosmetischen Inhaltsstoffe. Unsere Experten verfolgen die aktuelle Debatte sehr aufmerksam und bringen ihre Erfahrungen und ihr Wissen ein. Dies wird uns hoffentlich auch dabei helfen, Verbrauchern durch eine offene und faktenbasierte Kommunikation ein Stück weit die Unsicherheit zu nehmen.