02.09.2019

Warum Henkel auf den Markt für Bio- und Naturkosmetik setzt

Green is the new black

„Es ist nicht einfach, grün zu sein“ – das hatte in den 1970er Jahren einen ganz anderen Bezug: Damals beklagte Kermit der Frosch die Farbe seiner Haut. Übertragen betrachtet ist es mittlerweile sicherlich einfacher, „grün“ zu sein: Wer sich heute als Konsument für Beauty-Produkte interessiert und auf Nachhaltigkeit wert legt, hat eine größere Auswahl denn je. Aber was ist das eigentlich – „grüne“ Kosmetik?

In den letzten Jahren sind Konsumgüter nachhaltiger geworden und eine der Branchen, die sich besonders stark wandelt, ist die naturbasierte und natürliche Kosmetik. 2025 wird der weltweite Markt für Bio- und natürliche Körperpflegeprodukte voraussichtlich einen Umsatz von mehr als 22 Milliarden Euro erzielen – und mit der Reichweite des Internets und Influencern scheint das Wachstumspotenzial grenzenlos. Doch was war der Stein, der diese Beauty-Revolution ins Rollen gebracht hat?

Alles begann damit, dass sich kosmetikaffine Konsumenten intensiver mit den Inhaltsstoffen ihrer Schönheitsprodukte auseinandergesetzt haben. Sie suchten nach natürlicheren Alternativen für ihre Haut, die durch die steigende Luftverschmutzung und zunehmenden Stress sensibler geworden war. In der Folge kauften sie ihre Beauty-Produkte in lokalen Bioläden oder stellten sie sogar selbst her. Häufig lösten letztere jedoch nicht das Problem, da die Formulierungen nicht besonders haltbar und klebrig waren. Als größere Unternehmen diese Bedürfnisse – nicht nur der jüngeren Generation, sondern auch der Babyboomer – erkannten, investierten sie Zeit und Ressourcen: um wirksame Kosmetik mit naturbasierten und natürlichen Inhaltsstoffen herzustellen, nachhaltigere Verpackungsmethoden zu entwickeln und einen noch stärkeren Fokus auf eine verantwortungsvolle Beschaffung der Inhaltsstoffe zu legen.

Was bedeutet eigentlich grün?

Kosmetik-Produkte verursachen rund zwei Prozent des weltweiten CO2-Fußabdrucks – vor allem durch die Beschaffung der Rohstoffe und den Verbrauch von warmem Wasser, wenn ein Produkt verwendet wird. Dabei wirkt sich gerade die Anwendung am stärksten auf die Umwelt aus: nämlich durch die Wassermenge und deren Temperatur. Dies ist ein Grund, warum Verbraucher auf nachhaltigere Kosmetik-Produkte umsteigen und sich bewusster darüber werden, bei der Produktanwendung Ressourcen wie Wasser zu sparen.

Bei der Vielzahl von „grüner“ Kosmetik auf dem Markt ist es schwierig einzuschätzen, wie natürlich und nachhaltig die jeweiligen Produkte wirklich sind. Orientierung bieten drei Kategorien, die die Standards für diese Kosmetik definieren sowie die Einstellungen von Verbrauchern widerspiegeln: Clean Beauty, Green Beauty und Certified Beauty. Bei Clean Beauty konzentriert sich die Produktentwicklung darauf, perfekte Produkteigenschaften und eine hohe Produktleistung bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Haut des Verbrauchers zu garantieren. Bei Green Beauty liegt der Schwerpunkt vielmehr auf naturbasierten Inhaltsstoffen und natürlichen Extrakten als Teil der Formulierung und deren pflegenden Eigenschaften. Die letzte Kategorie, Certified Beauty, verwendet einen sehr hohen Anteil an Inhaltsstoffen natürlichen Ursprungs und wird durch international anerkannte Standards für Naturkosmetik wie COSMOS oder ECOCERT zertifiziert.

Dr. Andrea Sättler, Leiterin der Forschung und Entwicklung für Körper-, Haut- und Mundpflege im Henkel-Unternehmensbereich Beauty Care erklärt: „Unsere Strategie ist es, eine Verbindung zwischen naturbasierten, natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen einerseits und wirksamen Kosmetikprodukten andererseits herzustellen. Wir verwenden bereits heute Inhaltsstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe, wann immer dies unter Berücksichtigung ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Auswirkungen sinnvoll ist. Wenn es zur Ausrichtung eines Produkts passt, werden wir zusätzlich zertifizierte Naturkosmetik mit entsprechenden Labels anbieten.“

Das Thema Nachhaltigkeit spielt für Henkel seit langem eine große Rolle. So hat das Unternehmen zum Beispiel als einer der ersten führenden Kosmetikhersteller das potenzielle Problem von Mikroplastik erkannt und es bereits 2016 weltweit aus seinen Kosmetikprodukten entfernt. Mehr Produkte mit naturbasierten und natürlichen Inhaltsstoffen zu entwickeln, ist also ein weiterer Schritt, die führende Rolle im Bereich Nachhaltigkeit auszubauen.

Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie von Henkel ist es, Kunden und Konsumenten mehr Wert und eine bessere Leistung bei einem geringeren ökologischen Fußabdruck zu bieten. In den letzten zwei Jahren hat der Unternehmensbereich Beauty Care den ökologischen Fußabdruck von mehr als 170.000 Produktformeln berechnet und entwickelt derzeit Produkte, die Verbraucher dabei unterstützen, ihren Fußabdruck durch den effizienten Einsatz von Energie und Wasser zu verkleinern.

Unabhängig davon, ob die verwendeten Inhaltsstoffe synthetisch, naturbasiert oder natürlichen Ursprungs sind, sorgt unser Forschungs- und Entwicklungsteam dafür, dass die jeweiligen Produktformeln sicher sind. Unsere Experten bewerten alle Inhaltsstoffe nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dabei berücksichtigen sie Sicherheits- und Umweltdaten, die tatsächliche Konzentration der Inhaltsstoffe in den jeweiligen Rezepturen sowie die entsprechenden Anwendungs- und Entsorgungsbedingungen. Wie durch sämtliche relevante Standards verlangt werden nur Produkte, die die vollständige Sicherheitsbewertung bestehen, auf den Markt gebracht.

In Henkel-Produkten werden bereits viele natürlich gewonnene Inhaltsstoffe eingesetzt – das gilt nicht nur für Naturkosmetik. Gleichzeitig haben Produkte, die einen gesunden und umweltbewussten Lebensstil fördern, in den letzten Jahren noch an Bedeutung gewonnen. Ein gutes Beispiel ist die zertifizierte Bio-Marke N.A.E., die auf Inhaltsstoffe wie Zitrone, Rosmarin, Thymian und Olivenöl setzt. Die neuen Produktlinien – inspiriert von den Kräutern Italiens – wurden Anfang 2019 in Frankreich und Skandinavien eingeführt und werden im Herbst 2019 auch in Deutschland auf den Markt kommen. Die Verpackung der Produkte unterstreicht den nachhaltigen Charakter der neuen Marke: Die vollständig recycelbaren Verpackungen bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen, genauer gesagt aus Kunststoff, der aus Zuckerrohr gewonnenem Ethanol hergestellt wird.

Nachhaltige Kosmetik, natürliche Produkte: Eine Branche im Wandel

Obwohl es naheliegt zu glauben, dass mehr Nachhaltigkeit vor allem durch neue Produkte erreicht werden kann, treibt Henkel den Wandel auch bei seinen etablierten Produkten und Marken voran. Für die nächsten Jahren hat sich Beauty Care das ehrgeizige Ziel gesetzt, sein gesamtes Produktportfolio nachhaltiger zu gestalten. Ein aktuelles Beispiel ist die Familienmarke Schauma mit neuer veganer Formel und einer Produktlinie, die von EU Ecolabel zertifiziert wurde und deren Verpackung aus 100 Prozent recyceltem Kunststoff besteht. „Konsumenten wollen nachhaltige Kosmetik, mit Rohstoffen aus nachhaltigen Quellen, die gut verträglich für die Umwelt sind und hinter denen Marken und Werte stehen, mit denen sie sich identifizieren können. Indem wir unser umfangreiches Produktportfolio – von Haarpflege, Styling und Colorationen über Körper-, Haut- und Zahnpflege bis hin zu Naturkosmetik – transformieren, gehen wir auf diese Bedürfnisse ein. Wir wollen mit unseren nachhaltigen Innovationen Vorreiter sein“, sagt Saskia Schmaus, Corporate Director International Marketing bei Beauty Care.

Nachhaltige Innovationen

N.A.E.

Das Akronym N.A.E. steht für „Naturale Antica Erboristeria“, was aus dem Italienischen übersetzt „natürliche alte Kräuterkunde“ bedeutet. Mit natürlichen Inhaltsstoffen, veganen Rezepturen und der ECOCERT-Zertifizierung präsentiert sich N.A.E. als neue Marke auf dem wachsenden Markt für Natur- und Biokosmetik. Mindestens 97 Prozent der Inhaltsstoffe sind natürlichen Ursprungs, wie Zitrone, Mandarine, Thymian, Traubenkernöl und Rosmarin.

Nature Box

Alle Körper- und Haarpflegeprodukte unter der Marke Nature Box sind von der Natur inspiriert und die Formulierungen so natürlich wie möglich gehalten, ohne Kompromisse bei der Produktleistung einzugehen. Darüber hinaus arbeitet Nature Box mit der Sustainable Guar-Initiative von Solvay zusammen, um den Lebensunterhalt von Kleinbauern in Indien zu verbessern und den haarpflegenden Inhaltsstoff Guar verantwortungsvoll zu beziehen. Außerdem unterstützen Nature Box-Produkte Palmöl-Kleinbauern in Kooperation mit Solidaridad.

Limited Edition von Fa und Nature Box

Mit der Einführung der limitierten Fa- und Nature Box-Produkte im Sommer 2019 macht Beauty Care Fortschritte beim Aufbau einer Kreislaufwirtschaft, da die Flaschen aus 100 Prozent recyceltem Kunststoff bestehen. 50 Prozent des Materials stammt aus Ländern, die über keine ausreichende Infrastruktur für Abfälle verfügen. Die lokale Bevölkerung kann dort gesammelte Plastikabfälle bei der Plastic Bank zurückgeben und gegen Geld, Waren oder Dienstleistungen eintauschen. So wird verhindert, dass diese in die Ozeane gelangen, und gleichzeitig werden die Lebensbedingungen für Menschen in Armut verbessert. Das gesammelte Plastik, so genanntes Social Plastic, wird dann wieder in die Kunststoff-Wertschöpfungskette integriert.

Authentic Beauty Concept

Authentic Beauty Concept ist eine neue Premium-Marke, die gemeinsam mit Friseuren entwickelt wurde. Die Pflege- und Stylingrezepturen sind vegan und frei von Sulfaten, Parabenen, Silikonen, Mineralölen und künstlichen Farbstoffen. Auch diese Marke unterstützt die Sustainable Guar-Initiative.

Only Love

Only Love, die neue permanente Haar-Coloration von Schwarzkopf ohne Ammoniak, Silikone und Alkohol, enthält natürliche Inhaltsstoffe wie Sojaprotein, pflanzliche Hafermilch und pflegendem Arganöl.

Limited Edition Schauma mit EU Ecolabel-Zertifizierung

Die limitierte Edition Pflege Dein Haar, Schütze die Umwelt ist die erste Produktlinie von Schauma, deren Verpackungen aus 100 Prozent recyceltem Kunststoff bestehen. Die Formel ist vegan und leicht biologisch abbaubar.

Mehr als nur hautnah

Henkel verfolgt im Bereich Nachhaltigkeit einen ganzheitlichen Ansatz, der die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt: vom Einkauf von Rohstoffen und Verpackungsmaterialien, über die Produktion und Logistik bis hin zur Anwendung und Entsorgung des Produkts durch den Verbraucher. Bereits in einer frühen Phase der Produktentwicklung werden Nachhaltigkeitsaspekte, die Erwartungen der Verbraucher und Herausforderungen, die damit einhergehen, berücksichtigt. „Wir haben ein standardisiertes Tool, das alle Nachhaltigkeitsdaten zusammenfasst und dadurch unseren Entwicklern transparent und einfach zeigt, wie unsere Rezepturen zu mehr Nachhaltigkeit beitragen und wie der gesamte ökologische Fußabdruck des Produkts noch weiter optimiert werden kann“, erklärt Dr. Joachim Kremer, Senior Manager Regulatory Affairs & Global Sustainability im Unternehmensbereich Beauty Care.

Nachhaltigkeit entlang der Wertschöpfungskette

Rohstoffe

Henkel setzt auf eine verantwortungsvolle Beschaffung seiner Rohstoffe und unterstützt dabei nachhaltige Anbaumethoden.

Produktion

Während des Produktionsprozesses geht es darum, so wenig Energie und Wasser wie möglich zu verbrauchen. So reduziert zum Beispiel der Einsatz von kaltgepressten Ölen CO2-Emissionen.

Logistik

Um das Thema Nachhaltigkeit in der Logistik voranzutreiben, stellt Henkel sicher, dass die Verpackung so leicht wie möglich ist, was gleichzeitig die CO2-Emissionen senkt.

Einzelhandel

Die Menge der Umverpackung zu reduzieren und Verpackungen speziell für den E-Commerce zu entwickeln, sorgt für mehr Nachhaltigkeit im Einzelhandel.

Anwendung

Einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zu weniger CO2-Emissionen ist ein bewusster Umgang mit Ressourcen während der Produktanwendung – durch gezielte Kommunikation mit Konsumenten und Produkte, die weniger Energie verbrauchen.

Entsorgung

Die Verpackungen von Henkel werden so entworfen, dass sie einfach zu recyceln sind. Gleichzeitig ist es das Ziel, immer mehr recycelten Kunststoff einzusetzen.

Ein entscheidender Faktor bei nachhaltigen Produkten ist die verantwortungsvolle Beschaffung von Rohstoffen, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. Henkel geht dabei einen Schritt weiter und unterstützt lokale Kleinbauen im Rahmen verschiedener Initiativen. Durch die Zusammenarbeit mit der Entwicklungsorganisation Solidaridad hat das Unternehmen Palmöl-Kleinbauern in Südamerika, Afrika und Asien sowie Bauern in Indien durch die Sustainable Guar-Initiative von Solvay unterstützt. In beiden Fällen werden die Bauern in der Aussaat, dem Anbau und der Ernte ihrer Pflanzen unter fairen Arbeitsbedingungen geschult.

Kam bereits recycelter Kunststoff für Verpackungen von Beauty Care-Produkten zum Einsatz, wird für erste Verpackungen nun auch so genanntes Social Plastic von der Plastic Bank verwendet. Die Plastic Bank ist ein Sozialunternehmen, mit dem Henkel seit 2017 zusammenarbeitet. Das gemeinsame Ziel: Plastikabfall in den Ozeanen zu reduzieren und die Lebensbedingungen für Menschen in Armut zu verbessern – vor allem in Ländern ohne ausreichende Abfall-Infrastruktur. Dank der Unterstützung von Henkel hat die Plastic Bank drei weitere Plastik-Sammelcenter in Haiti eröffnet, einem der ärmsten Länder der Welt. Dort kann die lokale Bevölkerung gesammelten Plastikabfall abgeben und gegen Geld, Waren und Dienstleistungen eintauschen. Dieses Social Plastic kann dann wieder in die Kunststoff-Wertschöpfungskette integriert werden. Henkel hat außerdem übergreifende Verpackungsziele definiert: Bis 2025 werden alle Produktverpackungen entweder wiederverwendbar, recycelbar oder kompostierbar sein, und der Anteil an recyceltem Kunststoff für Konsumgüterprodukte in Europa wird auf 35 Prozent steigen.

Lebenszyklusanalysen zeigen, dass die Anwendung durch den Verbraucher mehr als 80 Prozent des ökologischen Fußabdrucks eines Kosmetikprodukts ausmacht – vor allem durch das Aufwärmen von Wasser beim Duschen. Natürlich steht Henkel als Hersteller in der Verantwortung für eine nachhaltige Produktion. Gleichzeitig liegt es auch in der Hand des Endverbrauchers, Produkte bewusst zu verwenden und noch weniger CO2-Emissionen zu erzeugen. Ein Beispiel, um nachhaltigere Konsumgewohnheiten zu fördern, ist die Initiative Be smarter, Save water von Henkel, die Verbraucher etwa ermutigt, den Wasserhahn beim Zähneputzen zuzudrehen oder kürzer zu duschen. Dafür entwickelt Beauty Care beispielsweise auch Trockenshampoos oder Conditioner, der nicht ausgespült wird, um die Zeit unter der Dusche zu verkürzen und dadurch insgesamt Wasser zu sparen. Lösungen wie diese tragen dazu bei, gut zu leben, weil sie Mehrwert schaffen und gleichzeitig weniger Ressourcen verbrauchen.

Um wirklich nachhaltig zu sein, stehen Unternehmen in der Verantwortung, positiven Einfluss auf ihr Umfeld zu nehmen und ein größeres Bewusstsein für globale Herausforderungen zu schaffen. So arbeitet die Marke Schwarzkopf mit vielen Organisationen rund um die Welt zusammen und hat mit Million Chances eine eigene Initiative gegründet. Diese fördert vor allem lokale und internationale Organisationen, die Frauen und Mädchen darin unterstützen, sich eine erfolgreiche persönliche und berufliche Zukunft aufzubauen. In den letzten neun Jahren hat die Initiative Shaping Futures über 2.200 jungen Erwachsenen aus schwierigen Verhältnissen geholfen und sie im Schneiden und Stylen von Haaren ausgebildet. Saskia Schmaus sagt: „Unser langfristiges Engagement für die Gesellschaft geht über direkte Geschäftsinteressen hinaus und umfasst die Freiwilligenarbeit unserer Mitarbeiter, Sozialpartnerschaften, Markenengagement und Nothilfe.“