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14.06.2018

ANDREAS REITER, Zukunftsforscher, über das urbane Publikum, bei dem inzwischen das Smartphone das Auto als wichtigstes Statussymbol abgelöst hat.

Der Konsument „to-go“ gibt den Ton an

Mag. Andreas Reiter, Zukunftsforscher, ZTB Zukunftsbüro Wien

Mag. Andreas Reiter, Zukunftsforscher, ZTB Zukunftsbüro Wien

Auf Ihrer Website steht: „Seit Heraklit wissen wir, dass die Welt sich permanent ändert. Nur ´fließt´ heute nicht mehr alles, sondern es ´springt´. Die Zukunft entwickelt sich mit der Turbulenz eines Wildwassers.“ Wie ist das gemeint?
Unternehmen haben es heute mit Phänomenen der Komplexität zu tun, die es früher so nicht gegeben hat. Wir leben in einer Zeit der Umbrüche, der Beschleunigung und der Volatilität. Strategische Masterpläne von Unternehmen für fünf Jahre halten kaum mehr. Die Zeit ist gleichsam ein sehr wildes Fahrwasser, in dem wir uns alle bewegen. Unternehmen stellen sich beispielsweise die Frage, wie sie agil sein und auf die Konsumenten „to-go“– also Konsumenten, die ihren Einkauf spontan tätigen – bestmöglich reagieren können.

Sie beobachten die Zukunftstrends in einer sehr frühen Phase. Kann man die Zukunft wirklich voraussagen?
Wir beobachten auf unserem Radar die Zukunftstrends bereits in einer sehr frühen Phase, trennen dabei Flüchtiges von Nachhaltigem und Wichtiges von Unwichtigem. Wir identifizieren die künftigen Wachstums-Treiber von Unternehmen und übersetzen diese in attraktive Produkte. Wir verstehen uns als Zukunfts-Lotsen, als Impulsgeber und Marken-Navigatoren. Die Zukunft im eigentlichen Sinn kann jedoch niemand voraussagen. Man muss sich das eher so vorstellen, dass man mit Hilfe der Zukunftsforschung die großen Leitplanken auf einer Autobahn in die Zukunft legt. Leitplanken geben bekanntlich eine gewisse Orientierung auf der Straße. Zukunftstrends zu beobachten beruht auf einem qualitativen Mix: Die Basis ist ein permanentes Beobachten von Markt-Signalen, dazu kommt ein Scanning der sozialen Netze. So erkennt man relevante Informationen, relevante Websites und sogenannte „Influencer“, also Meinungsmacher, in sozialen Netzwerken.

Wie definiert sich der Konsument von heute?
Viele Entscheidungen verschieben sich. Vor 30 Jahren war dem Konsumenten eine Automarke sehr wichtig. Dem urbanen Publikum von heute ist sie egal. Viel wichtiger ist diesem das Smartphone, wofür auch die Bereitschaft vorhanden ist, sehr viel Geld auszugeben. Seit vielen Jahren fällt zudem auf, dass Erlebnisse wichtiger sind als Produkte. Menschen versuchen sich außerdem verstärkt zu differenzieren. Es ist ihnen wichtig, Resonanz auf ihre digitalen Kurz-Stories zu bekommen, wie zum Beispiel „Likes“ oder Instagram-Stories. Das bedeutet auch, dass alles schnell gehen muss – wir haben es, wie gesagt, mit dem Konsument „to-go“ zu tun. Konsum ist nicht mehr langfristig geplant. „To-go“ ist beispielsweise die Bestellung über UBEREAT. Der Konsument sagt: Ich möchte einen Burger haben, mag aber nicht ins Lokal essen gehen, daher lasse ich mir den Burger heiß und schnell liefern. Alles muss schnell und einfach gehen, der „Convenience-Faktor“ ist entscheidend.

Wie kann der Konsument von heute noch begeistert werden?
Begeisterung erhalte ich sicherlich durch Emotion. Die Emotionalisierung mit der und durch die Marke ist das Um und Auf, um die Aufmerksamkeit der Konsumenten von heute zu bekommen.
Hier spielen einerseits die Werte und die Identität eines Unternehmens, und wie diese nach außen hin über ein bestimmtes Produkt kommuniziert werden, eine große Rolle. Auf der anderen Seite bleiben die Bedürfnisse und Sehnsüchte der Konsumenten, die es nach wie vor bestmöglich zu erfüllen gilt.