10.12.2018

Wie Henkel daran arbeitet, Blockchain für Geschäftsmodelle, Prozesse und Produkte nutzbar zu machen.

Blockchain: Wegbereiter der vernetzten Zukunft

Blockchain – The technology of the future

  

Es gibt Technologien, die ganze Industrien aufwirbeln. Zu ihnen gehört Blockchain. Ein Jahrzehnt nach dem Durchbruch der Kryptowährung Bitcoin ist die ihr zugrundeliegende Technologie im Begriff, weite Teile der Wirtschaft nachhaltig zu verändern.

Wie Blockchain von Unternehmen branchenübergreifend genutzt wird

Nicht nur in der IT-Industrie wird Blockchain als Wegbereiter für die vernetzte und hochkomplexe Zukunft gefeiert – zahlreiche Branchen haben das Potenzial von Blockchain für sich erkannt. “Blockchain verändert Unternehmen und Organisationen weltweit – über alle Bereiche hinweg“, sagt Rodolfo Quijano, Leiter des Bereichs Electronic Data Interchange and Blockchain Consulting bei Henkel. Schon immer interessierte sich der gebürtige Mexikaner für Zukunftstechnologien. Seit sechs Jahren begleitet er die Digitalisierung des Unternehmens. So arbeitete er an der Einführung des ersten E-Commerce-Portals von Henkel in Lateinamerika und beschäftigt sich seitdem vor allem damit, Technologien wie Cloud, Big Data oder mobile Endgeräte für Innovationen nutzbar zu machen. Zu seinen Aufgaben als „Technologie-Scout“ gehört es nicht nur, ein Bewusstsein für neue Technologien schaffen und sich mit den Start-Ups und Anbietern zu vernetzen, die diesen Wandel vorantreiben, sondern auch, die Adaption und Integration vielversprechender Technologien in die IT-Architektur von Henkel zu unterstützen. Meist trifft man ihn auf dem Henkel-Campus in Düsseldorf, ins Gespräch mit Kollegen vertieft, oder bei Start-Up-Events, immer auf der Suche nach neuen Ideen. Blockchain ist eine sehr junge Technologie und ihre Nutzung in der Unternehmenswelt steht noch am Anfang, doch das tut Quijanos Begeisterung für das Thema keinen Abbruch. Im Gegenteil. „Mit Blockchain können Unternehmen Transaktionen jeder Art durchführen, ohne dass eine Bestätigung durch eine dritte Partei, zum Beispiel eine Bank, notwendig ist“, sagt er. „Darin steckt ein riesiges Potenzial, das Unternehmen frühzeitig erkennen und nutzen sollten.“

Rodolfo Quijano, Leiter Electronic Data Interchange und Blockchain Consulting bei Henkel. Findet ihn auf LinkedIn.

Was ist Blockchain und wie funktioniert es?

 

Blockchain wird bereits als Technologie der Zukunft gefeiert. Virtuelle Transaktionen werden über eine Blockchain dezentral gesichert und können jederzeit nachverfolgt werden. Zuerst gerieten deshalb die Banken in Zugzwang, die als Dienstleister bei diesem Prozess nicht mehr unbedingt benötigt werden. Die „Drei T’s“ der Blockchain – Vertrauen (Trust), Nachverfolgbarkeit (Traceability) und Fälschungssicherheit (Tamperproof) – können aber auch in vielen anderen Bereichen Prozesse vereinfachen, die Transparenz erhöhen und Innovationen ermöglichen.

Blockchain: Ein Blick zurück

   

Für welche Anwendungsfelder kommt die Blockchain-Technologie infrage?

Blockchain ist nicht für Dienstleistungsunternehmen interessant. Auch Henkel möchte diese Vorteile nutzen und beschäftigt sich deshalb intensiv mit der Blockchain-Technologie. Dafür wurde ein eigenes Team gegründet, das die Suche nach möglichen Anwendungsgebieten für Blockchain unternehmensweit vorantreibt. Dazu gehören Kollegen aus Standorten in der ganzen Welt. „Unser Team hält immer nach Trends Ausschau, die wir für unser Geschäft nutzen können“, sagt Quijano. Doch geeignete Anwendungsfeldern für eine innovative Technologie wie Blockchain zu identifizieren sei auch eine Herausforderung: „Wir können nicht einfach von den Erfolgen anderer profitieren und diese auf unser Geschäft anwenden.“ Denn fast alle Unternehmen stehen mit ihrem Engagement in Sachen Blockchain noch am Anfang. Es gibt kaum Projekte, die schon so weit umgesetzt wurden, dass sie als Blaupause für andere Marktteilnehmer dienen können.

Die Blockchain-Community: Kooperation und Kommunikation

Deshalb schlägt das Team um Quijano den umgekehrten Weg ein: „Wir sprechen mit ganz unterschiedlichen Stakeholdern aus allen Bereichen des Unternehmens über Prozesse und Herausforderungen – und schauen dann, wo Blockchain eine Lösung sein könnte.“ Im Zentrum stehen dabei immer die Kollegen, die engen Kontakt mit Endkunden oder den wichtigsten Geschäftspartnern haben. In Interviews oder sogenannten „Discovery Workshops“ identifizieren sie erste Ideen und entwickeln gegebenenfalls einen Prototyp, der das entsprechende potenzielle Anwendungsfeld beschreibt. „Manchmal werden konkrete Herausforderungen an uns kommuniziert – häufig übernehmen wir aber die Initiative und bringen erste Ideen ein, um die Diskussion zu starten“, sagt Quijano. Denn um eine Lösung für ein Problem zu finden, muss man erst einmal erkennen, dass man eines hat. Deshalb sind zwei Aspekte ganz wesentlich: Kooperation und Kommunikation. Zum Beispiel über das unternehmensinterne soziale Netzwerk Yammer: In der stetig wachsenden Blockchain-Community tauschen sich Kollegen hier regelmäßig zu den aktuellsten Entwicklungen aus.
Genau so konnte das Team im letzten Jahr bereits zahlreiche Anwendungsfälle für Blockchain im Konzern identifizieren.

Wie die Blockchain-Revolution unser Geschäft verändern kann

Internationaler Handel

  

  • Mit Blockchains können Zollabwicklung und Steuerabgaben einfacher und sicherer gemacht werden. Die Digitalisierung der erforderlichen Unterlagen schafft Transparenz – und spart Zeit.
  • Auch im Kundenservice kann Blockchain einen Mehrwert bieten, beispielsweise durch konkrete Echtzeitinformationen über den Lieferstatus.

Lieferanten­management

  

  • Blockchain könnte die Transparenz im Einkauf und Lieferantenmanagement erhöhen. Besonderes Potenzial birgt die Technologie bei der Beschaffung von Rohstoffen: Mit einer Blockchain können Rohstoffe von ihrem Herkunftsort entlang der gesamten Liefer- und Produktionskette – bis zu ihrer Verwendung im Henkel-Produkt – verfolgt werden.
  • Für Unternehmen bietet sich das Potenzial, dank einer durchgängigen Kontrolle über die Herkunft von Rohstoffen diese nachzuverfolgen – und damit langfristig die Möglichkeit, das Vertrauen der Verbraucher in nachhaltige Produkte weiter zu stärken.

Paletten­management

 

  • Auf Transportpaletten gelangen Produkte in den Handel oder zu Industriekunden in der ganzen Welt. Bisher werden die Besitzer einer Palette auf analogen „Palettenscheinen“ festgehalten. Da die Papiere häufig verloren gehen oder nicht mehr klar lesbar sind, kommt es häufig zu Auseinandersetzungen darüber, wem eine Palette gehört. Unternehmen, die ihre Produkte weltweit versenden, kann damit aufgrund der großen Menge verwendeter Transportpaletten ein beträchtlicher finanzieller Schaden entstehen.
  • Mit einer Blockchain kann der „Palettenschein“ digitalisiert werden. Klare Eigentumsverhältnisse schaffen Planungssicherheit und bergen ein hohes Einsparpotenzial.

„Consumer Engagement“

  

  • Henkel arbeitet an neuen Möglichkeiten, den direkten Kontakt zu Verbrauchern zu erhöhen und neue Angebote zu entwickeln. Eine Möglichkeit: in Produkte und Verpackungen integrierte digitale Touchpoints, die zum Beispiel für Treueprogramme oder Gamification genutzt werden. Über die Blockchain können diese Vorgänge sicher abgewickelt werden.

Internet der Dinge

  

  • Bisher steht die Betrachtung noch am Anfang, aber: Blockchain könnte auch eine wichtige Rolle im Bereich „Internet der Dinge“ spielen. Auch hier kann die Technologie Sicherheit und Transparenz schaffen.

Fälschungssicherung

  

  • Insbesondere in einigen Schwellenländern kämpfen internationale Unternehmen gegen Produktfälschung. Gefälschte Produkte schaden der Reputation ebenso wie der Bilanz eines Unternehmens.
  • Werden Originalprodukte in eine Blockchain eingetragen, bietet das sowohl für Unternehmen als auch Verbraucher Vorteile. Kunden können dann eine Kennzeichnung auf der Verpackung scannen und erhalten eine Echtheitsbestätigung.

Media-Planung

  

  • In der digitalen Welt wird der Einkauf von Werbemedien zur Herausforderung. Kostenstrukturen nach Views, Klicks und Seitenaufrufen sind häufig schwer vergleichbar und Erfolge nur schwer zu kontrollieren.
  • Eine Blockchain könnte genutzt werden, um die Verbreitung digitaler Werbung effizienter nachzuverfolgen.

Die Summe aller Teile: Blockchain in der Unternehmenswelt

„Es kommt entscheidend auf Partnerschaften an. Wir suchen vor allem nach Anwendungen, die unsere Geschäftsprozesse verbessern, Kostenvorteile bringen oder neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen“, sagt Andrea Teichmann, die bei Henkel für den Excubator und das Trend Scouting des Bereichs Integrated Business Solutions zuständig ist. Seit Sommer 2017 arbeitet sie mitten im „Blockchain-Hotspot“ Berlin – die Stadt gilt nach London und New York als einer der weltweiten Hauptknotenpunkte für Blockchain-Entwickler. „Berlin ist vielfältig, innovativ und angesagt“, sagt Teichmann. „Das zieht die besten Talente weltweit an.“ Das Silicon Valley habe im Bereich Blockchain eine deutlich geringere Bedeutung. In der deutschen Hauptstadt hingegen haben mehr als 60 Blockchain-Start-ups ihren Sitz. „Hier werden die Innovationen von morgen gemacht. Es ist wichtig für uns, vor Ort zu sein. So bekommen wir nicht nur technologische Fortschritte mit, sondern auch die damit verbundenen ideologischen Diskussionen. Das hilft uns bei der Einordnung des Status Quos und gibt uns einen Ausblick über die relevantesten Entwicklungen.“

Denn so wie eine Blockchain nur als Summe aller Teile funktioniert, kann auch ihre Adaption in der Unternehmenswelt nur in Kooperation funktionieren. „Wir arbeiten eng mit internationalen Konzernen, Organisationen und Start-Ups zusammen“, sagt Teichmann. Denn obwohl es Blockchain seit zehn Jahren gibt, werden erst jetzt Standards, Spezifikationen und Zertifikate entwickelt, die eine breitere Nutzung ermöglichen. „Es wird viel aufgebaut und ausprobiert. Aber gerade diese starke Aktivität führt eben auch dazu, dass die Technologie zum Teil nicht zielführend genutzt wird.“

Keine Blockchain-Lösung ohne Austausch

Umso wichtiger sei es, mit verschiedenen Partnern im Blockchain-Umfeld zu sprechen, um Einzelmeinungen zu relativieren, unterschiedliche Aspekte in die unternehmerische Bewertung mit einzubeziehen und die besten Partner für die Umsetzung von Blockchain-Lösungen zu identifizieren. Auf Branchenevents wie der Blockchain Week in Berlin tauscht sich Henkel mit Unternehmen und Start-ups aus. „Als Mitglied des Blockchain Circles organisieren wir aber auch eigene exklusive Veranstaltungen“, sagt Teichmann.

Kürzlich ist Henkel auch der Enterprise Ethereum Alliance (EEA) beigetreten. Das weltweite Konsortium verfolgt das Ziel, industrieübergreifende Kooperationen zu fördern und auf Basis der Ethereum-Technologie eine Software zu entwickeln, die in der Lage ist, komplexe und anspruchsvolle Anwendungen mit hoher Geschwindigkeit auszuführen. „Wir entwickeln Spezifikationen und Qualitätsstandards für Blockchain-Lösungen“, sagt Ron Resnick, Executive Director der EEA. „Das schafft Sicherheit für Unternehmen, die solche Lösungen von Drittanbietern kaufen.“ 2018 wurden erste Spezifikationen veröffentlicht, die sich mit Leistung und operativer Effektivität befassen. Ein Zertifizierungsprogramm soll 2019 folgen.

Andrea Teichmann, verantwortlich für den Excubator und das Trend Scouting des Bereichs Integrated Business Solutions bei Henkel. Findet sie auf LinkedIn.

Blockchain: vom Anwendungsbeispiel zum Pilotprojekt

Schon jetzt laufen bei Henkel die ersten Pilotprojekte. Gemeinsam mit der Organisation GS1, die Unternehmen bei der Optimierung ihrer Wertschöpfungsketten unterstützt, arbeitet Henkel zum Beispiel an einem digitalen, über Blockchain gesicherten Tauschprozess für Transportpaletten.

In der nächsten Zeit geht es Quijanos Team darum, die identifizierten Anwendungsbeispiele zunächst zu priorisieren und dann nach und nach umzusetzen. „Wir werden mehrere Pilotprojekte starten, teilweise aber auch vorerst Prototypen erstellen“, sagt Quijano. „Wir wollen langsam starten und dann skalieren.“ Langfristiges Ziel: ein umfassendes Blockchain-Ökosystems für den Konzern entwickeln und umsetzen.

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Chief Information Officer Dr. Joachim Jäckle über das Potenzial von Blockchain für Henkel

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